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In Niedersachsen organisieren und dokumentieren sechs Nachsorgeleitstellen (NLST), getragen von der Kassenärztlichen Vereinigung, die Krebsnachsorge. Sie dokumentieren und begleiten die ärztliche Tätigkeit und Langzeitbetreuung vor Ort durch verbesserte Information, unterstützen qualitätssichernde Maßnahmen in der vertragsärztlichen Versorgung und schaffen eine Datenbasis zur Beschreibung und Analyse des onkologischen Versorgungsgeschehens. Falls die von den NLST an das EKN gemeldeten Nachsorge-Patientinnen (NSP) besser versorgt werden als andere Patientinnen, sollte sich dies in der Ergebnisqualität (der Überlebensraten) zeigen. Ein univariater Vergleich der relativen 5-Jahres-Überlebensraten für den Bezirk Weser-Ems im Diagnosezeitraum 2001 – 2006 zeigte günstigere Werte für die NSP im Vergleich zu den Nicht-Nachsorgeleitstellen-Patientinnen (Nicht-NSP) (siehe unten). Ein Cox-Regressionsmodell unter Nutzung einer erweiterten Datengrundlage (2001 – 2007) sollte nun diesen positiven NSP-Effekt überprüfen.

Bevölkerungsbezogen für ganz Niedersachsen wurden sämtliche vom EKN erfassten Brustkrebsneuerkrankungen (ICD-10 C50) bei Frauen im Diagnosezeitraum 2001 – 2007, die bis 2008 beobachtet wurden, dahingehend unterschieden, ob sie über die NLST gemeldet wurden oder nicht (NSP vs. Nicht-NSP). Die Verzerrung der prognostischen Aussage der Krebsnachsorge, z. B. durch Unterschiede im Alter, im Stadium (einschließlich Datenqualität) oder im Wohnort, wurden in dem Cox-Regressions-Modell (CRM) kontrolliert. Die Modellierung erfolgt mit Hilfe des Statistikpakets R.

Nicht-NSP (n=14.584) vs. NSP (n=24.224) waren zum Diagnosezeitpunkt durchschnittlich älter (64,5 vs. 60,7 Jahre) und hatten einen höheren Anteil an verstorbenen Patientinnen (23,8% vs. 13,4%). Aufgrund fehlender Angaben zum Metastasenstatus, zur Tumorgröße oder zum Lymphknotenstatus konnten bei Nicht-NSP nur für 19,2% (vs. 92,4% bei NSP) ein UICC-Stadium gebildet werden. Das Ergebnis des Cox-Modells zeigte ein signifikant günstigeres relatives Risiko der Sterblichkeit von 0,79 für die NSP im Vergleich zu den Nicht-NSP. Interaktionsmodelle zwischen dem Nachsorgefaktor, dem Alter und dem UICC-Stadium zeigten keine signifikanten Unterschiede in den relativen Sterberisiken.

Der Nachsorgefaktor hat auch in dieser multiplen Regressionsanalyse einen positiven Einfluss auf das Überleben gezeigt. Allerdings könnten fehlende Angaben zu anderen prognostischen Faktoren wie Komorbidität, Östrogenrezeptor-Status etc., die Einfluss auf das Überleben haben, Verzerrungsquellen darstellen. Somit sind diese Ergebnisse zurückhaltend zu interpretieren. Es ist vorgesehen, weitere klinische Informationen von den Nachsorgeleitstellen in die Analyse einzubeziehen.

Die Auswertung wurde auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi) im September 2011 in Mainz vorgestellt.

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