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Die demographischen Entwicklungen in Deutschland führen bekanntlich zu einer Bevölkerungsstruktur mit immer mehr älteren Menschen und Hochbetagten. Steigende Erkrankungsfallzahlen bei chronischen und altersassoziierten Erkrankungen, unter anderem Krebserkrankungen, sind die Folge. Für die kommenden Jahre und Jahrzehnte ergeben sich somit auch große Änderungen beim Versorgungsbedarf von Krebspatientinnen und -patienten. Hochrechnungen von Neuerkrankungs-Fallzahlen für verschiedene bösartige Neubildungen und die Darstellung von Veränderungen bis zum Jahr 2020 auf kommunaler Ebene sollen dazu beitragen, den zukünftigen medizinischen Versorgungsbedarf (personell und finanziell) besser abschätzen zu können.

Das EKN hat bereits im Gesundheitsbericht 2005 der Region Hannover dargestellt, wie sich zukünftig Krebserkrankungszahlen entwickeln werden und dass die Entwicklung regional sehr unterschiedlich verlaufen wird. Ein Vergleich zwischen der Landeshauptstadt Hannover und den anderen Kommunen der Region Hannover (im Weiteren als Umland bezeichnet) verdeutlichte diese Unterschiede. Das EKN ist nun der Frage nachgegangen, ob sich diese Trends fortsetzen werden und wie die Entwicklungen in den einzelnen Städten und Gemeinden des Umlandes aussehen.

Die Kommunalstatistik der Region und der Landeshauptstadt Hannover geht in ihrer Bevölkerungsprognose für das Umland von einer leichten Bevölkerungszunahme von 2007 bis 2010 aus; bis 2020 wird insgesamt aber ein Bevölkerungsrückgang um 0,7% erwartet. Für die Landeshauptstadt wird eine etwa gleichbleibende Einwohnerzahl bis 2010 angenommen und danach ein Rückgang um 1% bis 2020 prognostiziert. Entscheidend für die Hochrechnung von Krebsneuerkrankungs-Fallzahlen ist hingegen nicht nur die Entwicklung der Gesamteinwohnerzahl, vielmehr spielt die Alterszusammensetzung der Bevölkerung eine wichtige Rolle, da das Risiko für die meisten Krebserkrankungen mit dem Lebensalter ansteigt.

Neben den prognostizierten Bevölkerungszahlen sind für die Hochrechnungen konstante geschlechts- und altersklassenspezifische Neuerkrankungsraten des Bezirks Hannover angenommen worden. Hierzu wurden gemittelte Inzidenzraten aus den Jahren 2004 bis 2008 verwendet und für beide Geschlechter und alle Altersklassen Fallzahlen berechnet, die für die einzelnen Städte und Gemeinden bzw. für das gesamte Umland und die Landeshauptstadt aufsummiert wurden.

Abbildung 1 zeigt die Entwicklung der Bevölkerung und der Neuerkrankungs-Fallzahlen für ‘Krebs insgesamt’ in den einzelnen Städten und Gemeinden des Umlandes und der Landeshauptstadt Hannover von 2007 bis 2020. Es wird deutlich, dass in allen Städten und Gemeinden ein Zuwachs an Krebsneuerkrankungen zu erwarten ist, unabhängig davon, ob ein Bevölkerungsrückgang oder ein Bevölkerungsanstieg prognostiziert wird. Die Größe der Veränderung ist abhängig von der jeweils vorhandenen Bevölkerungsstruktur und einem mehr oder weniger großen Anstieg des Anteils älterer Menschen bis 2020 in den einzelnen Kommunen.

Abbildung 1: Veränderungen der Bevölkerungszahlen und der Krebsneuerkrankungs-Fallzahlen (für Krebs insgesamt ohne C44) von 2007 bis 2020 für die Kommunen der Region Hannover.
Abbildung 1: Veränderungen der Bevölkerungszahlen und der Krebsneuerkrankungs-Fallzahlen (für Krebs insgesamt ohne C44) von 2007 bis 2020 für die Kommunen der Region Hannover.

Abbildung 2 zeigt für einige häufige Krebsdiagnosen die Entwicklung der Neuerkrankungs-Fallzahlen als prozentuale Veränderungen zwischen 2007 und 2020 für die Landeshauptstadt (LHH) und das Umland Hannover auf. Die Anstiege der Fallzahlen bis 2020 sind im Umland größer als in der Landeshauptstadt Hannover und bei den Männern größer als bei den Frauen. Die größten prozentualen Zunahmen sind bei den Männern für Darm- und Harnblasenkrebs im Umland zu erwarten (+24% bzw. +29%). Die Änderungen bei den Frauen liegen in der Landeshauptstadt für alle betrachteten Krebsarten unter 5%.

Abbildung 2: Veränderung der Neuerkrankungs-Fallzahlen von 2007 bis 2020 für die Landeshauptstadt (LHH) und das Umland Hannover, getrennt nach Geschlecht.
Abbildung 2: Veränderung der Neuerkrankungs-Fallzahlen von 2007 bis 2020 für die Landeshauptstadt (LHH) und das Umland Hannover, getrennt nach Geschlecht.

Diese Entwicklungen sollten bei weiteren Gesundheitsplanungen berücksichtigt werden. Dort, wo relativ geringe Zuwächse zu beobachten sind, wie in der Landeshauptstadt Hannover, konzentrieren sich die großen medizinischen Behandlungszentren. Für immer mehr ältere und hochbetagte Menschen, die an Krebs erkranken und wenig mobil sind, ist auch eine wohnortnahe ambulante Versorgung mit Therapie- und Nachsorgeangeboten von großer Bedeutung.

Eine ausführliche Darstellung der EKN-Auswertungen ist in dem Gesundheitsbericht ‘Perspektiven der ambulanten ärztlichen Versorgung in den Kommunen der Region Hannover’ im November 2011 erschienen.

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