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Aufbauend auf früheren Hochrechnungen und auf der Basis einer aktualisierten Bevölkerungsvorausberechnung für Niedersachsen hat das EKN die Veränderung von Krebsneuerkrankungs-Fallzahlen bis 2030 auf Landkreisebene abgeschätzt. Aufgrund der demographischen Entwicklung ergeben sich große Änderungen beim Versorgungsbedarf von Krebspatientinnen und -patienten. Hochrechnungen von Neuerkrankungs-Fallzahlen für verschiedene bösartige Neubildungen in Niedersachsen und die Darstellung von Veränderungen bis zum Jahr 2030 auf Landkreisebene sollen dazu beitragen, den zukünftigen medizinischen Versorgungsbedarf im Land besser abschätzen zu können.

Zu den Datenquellen: Als Grundlage für die Hochrechnung diente die Bevölkerungsvorausschätzung für Niedersachsen bis 2030 vom Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen (LSKN). Des Weiteren wurden geschlechts- und altersklassenspezifisch gemittelte Inzidenzraten für Krebs insgesamt (ICD-10 C00-C97 ohne C44) und häufige Krebserkrankungen der Jahre 2005-2009 aus Niedersachsen verwendet. Die Berechnungen beruhen auf der Annahme, dass es keine regionalen Unterschiede in der Neuerkrankungsrate gibt und die Krebsinzidenz bis 2030 konstant bleibt. Veränderungen der Fallzahlen bis 2030 beziehen sich immer auf das Basisjahr 2008 und sind ausschließlich auf die Bevölkerungsentwicklungen in den Kreisen und kreisfreien Städten zurückzuführen. Fälle, die dem EKN nur über Todesbescheinigungen bekannt werden (sogenannte DCO-Fälle, death certificate only), sind in der Inzidenz nicht berücksichtigt worden.

Das LSKN geht für Niedersachsen von einer sinkenden Bevölkerung um 6,4% auf 7,44 Mio. Einwohner im Jahr 2030 aus. In einigen Landkreisen sind Bevölkerungsrückgänge von 20% bis 30% zu erwarten (siehe Abbildung 10). Für andere Landkreise und kreisfreie Städte in Niedersachsen wird mit einem Bevölkerungswachstum bis zu 20% gerechnet. Für die Hochrechnung von Krebsneuerkrankungs-Fallzahlen spielt auch die vorhandene Altersstruktur der Bevölkerung und deren zukünftige Entwicklung eine wichtige Rolle, da das Risiko für die meisten Krebserkrankungen mit dem Lebensalter ansteigt. Die über 65-Jährigen machten 2008 einen Anteil von 21% an der Gesamtbevölkerung aus, 2030 werden es 29% sein. Auch der Anteil der über 80-Jährigen steigt bis 2030 von 5,1% (2008) auf 8,4%. Zwischen den Landkreisen gibt es große Unterschiede in der vorhandenen Altersstruktur der Bevölkerung und den vorhergesagten Entwicklungen.

Zu den Ergebnissen: Die Zahl der Menschen, die mit einer bösartigen Neubildung (ICD-10 C00-C97 ohne C44) diagnostiziert werden, steigt von ca. 43.000 im Jahr 2008 stetig auf etwa 52.200 (plus 21%) im Jahr 2030 an (vgl. Abbildung 1)

 

Abbildung 1: Entwicklung der Neuerkrankungs-Fallzahlen für Krebs insgesamt (C00-C97 ohne C44) bis 2030
Abbildung 1: Entwicklung der Neuerkrankungs-Fallzahlen für Krebs insgesamt (C00-C97 ohne C44) bis 2030
Abbildung 2: Entwicklung der Neuerkrankungs-Fallzahlen für Krebs insgesamt und weitere Krebsrekrankungen bis 2030
Abbildung 2: Entwicklung der Neuerkrankungs-Fallzahlen für Krebs insgesamt und weitere Krebsrekrankungen bis 2030

Abbildung 2 zeigt für häufige Krebsdiagnosen die Entwicklung der Neuerkrankungs-Fallzahlen in Niedersachsen mit den prozentualen Veränderungen von 2008 bis 2030. Die Zunahmen liegen bei diesen Krebsdiagnosen zwischen 10% für Brustkrebs bei Frauen und 37% für Harnblasenkrebs bei Männern. Generell sind die Veränderungen bei den Männern stärker ausgeprägt als bei den Frauen. Die Unterschiede zwischen den Krebsdiagnosen sind auf die jeweils charakteristischen altersspezifischen Inzidenzraten und das unterschiedliche mittlere Erkrankungsalter zurückzuführen. Für Krebserkrankungen mit einem höheren mittleren Erkrankungsalter wie Darm- oder Harnblasenkrebs sind auch größere Veränderungen zu erwarten.

Abbildung 3: Veränderung der Bevölkerungs- und Krebsneuerkrankungs-Fallzahlen (Krebs insgesamt) von 2008 bis 2030 für die Landkreise und kreisfreien Städte in Niedersachsen
Abbildung 3: Veränderung der Bevölkerungs- und Krebsneuerkrankungs-Fallzahlen (Krebs insgesamt) von 2008 bis 2030 für die Landkreise und kreisfreien Städte in Niedersachsen

Abbildung 3 zeigt die Entwicklung der Bevölkerung und der Neuerkrankungs-Fallzahlen für Krebs insgesamt von 2008 bis 2030 für die einzelnen Landkreise und kreisfreien Städte Niedersachsens. Bis auf drei Ausnahmen ist in allen kreisfreien Städten und Landkreisen mit einem Zuwachs an Krebspatientinnen und -patienten zu rechnen, unabhängig davon, ob ein Bevölkerungsrückgang oder ein Bevölkerungsanstieg für die Region prognostiziert wird. Es zeigt sich, dass die Entwicklung der Bevölkerungs- und Krebsneuerkrankungs-Fallzahlen nicht immer parallel verlaufen. Ursächlich hierfür ist die landkreisspezifische Altersstruktur der Bevölkerung und deren Entwicklung, die mit einem mehr oder weniger großen Anstieg des Anteils älterer Menschen einhergeht. Nur in den Städten Wolfsburg und Salzgitter sowie im Landkreis Osterode am Harz wird mit einem leichten Rückgang der Krebsneuerkrankungs-Fälle im Jahr 2030 gerechnet. Die Zuwächse erreichen bis zu 58% im Landkreis Vechta. Die größten Veränderungen werden in den Landkreisen mit einer zurzeit noch vergleichsweise jungen Bevölkerung erwartet (Vechta, Cloppenburg, Emsland). Die geringsten Veränderungen zeigen sich in den Gebieten, in denen der Anteil der älteren Menschen heute bereits hoch ist und die zudem noch einen starken Bevölkerungsrückgang zu erwarten haben (Lüchow-Dannenberg, Osterode am Harz, Goslar, Salzgitter, Wolfsburg).

Diese Entwicklungen sollten bei weiteren Gesundheitsplanungen im ambulanten, stationären und pflegerischen Bereich (Facharztversorgung, Fortschreibung des Krankenhausplans etc.) berücksichtigt werden. Kleinräumigere Analysen auf Gemeindeebene sind möglich und z.B. für die Region Hannover durchgeführt worden.
Die Auswertungen sind 2012 im Niedersächsischen Ärzteblatt veröffentlicht worden. (Hier herunterzuladen mit freundlicher Genehmigung der Hannoverschen Ärzte-Verlags-Union GmbH).
Eine frühere Auswertung zur Entwicklung der Krebneuerkrankungs-Fallzahlen bis 2021 wurde in einem Vortrag auf dem Symposium des EKN am 18.11.2010 in Oldenburg vorgestellt.

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