Monitoring-Pilotphase

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Seit 2014 wird ein gemeinsam mit dem Niedersächsischen Landesgesundheitsamt (NLGA) entwickeltes zweistufiges Konzept in einer Pilotphase erprobt. In einer vorgeschalteten ‚Suchphase‘ werden auffällige Regionen identifiziert, die anschließend in einer prospektiven ‚Beobachtungsphase‘ weiterbeobachtet werden. Überschreiten die beobachteten Regionen bestimmte Grenzwerte, werden die kommunalen Gesundheitsbehörden des betroffenen Landkreises informiert. Bei Unterschreitung der Grenzwerte werden die jeweiligen Regionen aus der Beobachtungsphase herausgenommen, für alle anderen erfolgt eine Weiterbeobachtung.

 

Grundlage des Monitorings sind die im EKN erfassten Krebsneuerkrankungen auf Ebene der Gemeinden Niedersachsens. Kleinere Gemeinden werden mit Nachbargemeinden desselben Kreises zu insgesamt 372 'regionalen Beobachtungseinheiten' (ReBe) mit mindestens 5.000 Einwohnern zusammengefasst.

 

In der Pilotphase werden die Diagnosen Mesotheliom (ICD-10 C45), Nierenkarzinom (C64) und Akute myeloische Leukämie (C92.0) beobachtet. Die erste Suchphase umfasste die Diagnosejahre 2008 - 2012 und die zweite die Diagnosejahre 2010 - 2014. Statistische Kenngröße ist das Standardized Incidence Ratio (SIR). Dabei wird das Verhältnis zwischen der beobachteten und der erwarteten Neuerkrankungsfallzahl betrachtet. ReBe für die das 95%-Konfidenzintervall des SIR (einseitig getestet) auffällig ist, gehen in die Beobachtungsphase ein. Die erste Beobachtungsphase im Januar 2015 wurde anhand des Diagnosejahres 2013 ausgewertet, die aktuellste Beobachtungsphase im Januar 2018 anhand der Diagnosejahre 2015 - 2016. Die Entscheidung, ob sich für eine Region der Verdacht auf eine Erhöhung bestätigt oder dieser zu verwerfen ist, erfolgt anhand des Sequential Probability Ratio Tests (SPRT). Liegt die ReBe innerhalb des Toleranzbereichs dieses Testes, verbleibt sie in der Beobachtungsphase. Bevor eine bestätigte Krebserhöhung zu einer Region öffentlich gemacht wird, erfolgt eine Validierung der einzelnen Fälle im EKN.

 

Bis Ende 2017 wurden zu fünf Gemeinden Berichte über die Bestätigung eines Verdachtes auf eine regionale Krebshäufung geschrieben. Alle fünf Berichte betrafen das Mesotheliom. Im Einzugsbereich all dieser fünf Gemeinden gab es Industriebetriebe, die in früheren Jahren mit Asbest gearbeitet hatten. Die Berichte sind oben abrufbar.

 

Zum gemeindebezogenen Krebs-Monitoring gab es am 15. November 2017 mit den Vertreterinnen und Vertretern der kommunalen Gesundheitsbehörden einen Workshop im NLGA. Die bisherigen Ergebnisse der Pilotphase zeigen, dass mit dem Monitoring regionale Häufungen aktiv aufgedeckt werden können. Beim Mesotheliom, wo eindeutig eine Noxe (Asbest) für die Erkrankung verantwortlich gemacht werden kann, war es möglich, auch einen eindeutigen Hinweis auf die Ursache mitzuliefern. Anhand von Krebsregisterdaten sind ursächliche Zusammenhänge jedoch in der Regel nicht herzustellen. Aufklärung bleibt vor allem dort schwierig, wo kein eindeutiger Verursacher bekannt ist. Methodisch könnte sich die große Anzahl von ReBe, die für einen zurzeit noch unbegrenzten Zeitraum weiter zu beobachten sind, als problematisch erweisen.

 

Zurzeit wird geklärt, ob auf Grundlage der bisherigen Erfahrungen das Konzept bereits während der Pilotphase angepasst werden soll. Hierbei geht die Diskussion insbesondere um die Diagnosenauswahl und um Kriterien für eine Beendigung der Beobachtungsphase, wenn die in der Suchphase beobachtete Erhöhung der Krebsrate sich in den folgenden Jahren nicht mehr nachweisen lässt.

 

Die im Jahr 2018 durchgeführten Auswertungen führten nun erstmals zu einer Auffälligkeit für eine Gemeinde bezüglich der Erkrankungshäufung von Nierenkrebs. Das Epidemiologische Krebsregister Niedersachsen hat den Landkreis Vechta über diese Auffälligkeit informiert. Weitere Untersuchungen, mögliche Risiken zu identifizieren, die zu der erhöhten Zahl von Neuerkrankungen geführt haben können, sind Aufgabe des Landkreises. Bei Planung und Durchführung dieser Untersuchungen stehen NLGA und EKN den kommunalen Behörden beratend und unterstützend zur Seite.

 

Informationen zum Vorgehen im Landkreis Vechta finden Sie hier.


Zuletzt aktualisiert: Freitag, 10. August 2018
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