Samtgemeinde Asse

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EKN-Berichte

 

Weitere Berichte

 

 

Folgeauswertung des EKN vom Oktober 2016

 

Hintergrund: In einer Sonderauswertung des EKN vom Dezember 2010 war für die Samtgemeinde Asse für die Diagnosejahre 2002 - 2009 eine erhöhte Häufigkeit von Leukämien, hämatologischen Krebserkrankungen insgesamt sowie Schilddrüsenkrebs festgestellt worden.

 

Der Landkreis Wolfenbüttel bat das EKN mit Anfrage vom 24. Juni 2016 um eine Folgeauswertung der seinerzeit auffälligen Krebsdiagnosen. Neben den zu betrachtenden Diagnosegruppen, die für alle Altersklassen und beide Geschlechter zusammengefasst ausgewertet werden sollen, wurde in der Anfrage der zu betrachtende Diagnosezeitraum 2010 - 2014 festgelegt. Sollte eine statistisch signifikante Erhöhung vorliegen, bittet der Landkreis darum, deskriptiv aufzuführen, in welcher Mitgliedsgemeinde der Samtgemeinde Asse wie viele Fälle aufgetreten sind.

 

Ergebnisse: Die Folgeauswertung des EKN zeigt, dass sich die Auffälligkeiten für Leukämien sowie Leukämien und Lymphome insgesamt nicht fortgesetzt haben. Beide Diagnosegruppen sind im untersuchten Diagnosezeitraum 2010 - 2014 unauffällig. Allerdings tritt Schilddrüsenkrebs in der Samtgemeinde Asse nach wie vor häufiger auf als erwartet: Mit 9 beobachteten gegenüber 3,8 erwarteten Fällen ist diese Erhöhung statistisch auffällig.

 

Die Ergebnisse dieser Folgeauswertung werden im EKN-Bericht vom Oktober 2016 vorgestellt.

 

 

Bericht des EKN vom Dezember 2010

 

Hintergrund

Eine Anfrage des Landkreises Wolfenbüttel an das EKN aus dem Jahr 2008 zur Häufigkeit von Leukämien in der Samtgemeinde Asse war der Sonderauswertung vorausgegangen. Hintergrund der Anfrage war die von einem hohen öffentlichen Interesse bestimmte Frage, ob es ein regional erhöhtes Krebsrisiko in Zusammenhang mit der Schachtanlage Asse II gibt. Dieses Zwischenlager wurde seit 1967 als Forschungsbergwerk betrieben; auch die Einlagerung radioaktiver Abfälle wurde hier erprobt.

 

Aufgrund der im Jahr 2008 noch unzureichenden Datenlage und der deutlichen Untererfassung von Leukämien und Lymphomen war eine kleinräumige Auswertung seinerzeit noch nicht möglich. Im Jahr 2010 erfolgte dann mit den auswertbaren Diagnosejahren 2002 – 2009 eine erste Auswertung der Häufigkeit von Leukämien sowie Leukämien und Lymphomen insgesamt in der Samtgemeinde Asse. Ergänzend bat das Sozialministerium seinerzeit um eine explorative Analyse weiterer 37 Krebsneuerkrankungen in der Samtgemeinde Asse.

 

Ergebnisse

Die Erstauswertung der Diagnosejahre 2002 – 2009 zeigt, dass für beide Geschlechter zusammen Leukämien deutlich erhöht sind: 18 Leukämiefälle werden beobachtet bei 8,5 erwarteten Fällen. Diese Erhöhung ist vor allem bei Männern zu beobachten (12 beobachtete bei 5,2 erwarteten Fällen). Auch für Schilddrüsenkrebs zeigt sich eine Erhöhung: Für beide Geschlechter zusammen werden 12 Fälle beobachtet bei 3,9 erwarteten Fällen. 10 der 12 Fälle sind bei Frauen aufgetreten bei 3,3 erwarteten Fällen. Vom Landkreis Wolfenbüttel wurde ein Expertenkreis Asse eingerichtet, in dem das weitere Vorgehen abgestimmt wird.

 

Die Ergebnisse der Auswertung werden im EKN-Bericht vom Dezember 2010 vorgestellt.

 

 

Arbeit des Expertenkreises Asse

 

Der Landkreis Wolfenbüttel hat Ende 2010 unter seiner Federführung einen Expertenkreis Asse eingerichtet, in dem das weitere Vorgehen abgestimmt wurde. Dem Expertenkreis Asse gehörten Vertreterinnen und Vertreter des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration und des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie und Klimaschutz, des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes, des Epidemiologischen Krebsregisters Niedersachsen, des Bundesamtes für Strahlenschutz sowie des Landkreises Wolfenbüttel an.

 

Aufgabe des Expertenkreises war es, mögliche Erklärungsansätze für das gehäufte Auftreten von Leukämien und Schilddrüsenkrebs in der Samtgemeinde Asse zu erhalten. Hierfür wurde eine Fallerhebung durchgeführt, mit dem Ziel, Informationen von den Betroffenen zur Wohn- und Arbeitsstättenanamnese zu erhalten. Weiterhin wurde auf pseudonymer Ebene ein Datenabgleich der in der Schachtanlage Asse II Beschäftigten mit den Krebsregisterdaten durchgeführt sowie statistisch-epidemiologische Auswertungen wissenschaftlich begleitet und koordiniert.

 

Ergebnisse

Über Aufrufe in der Bevölkerung der Region wurden Personen, die von einer bösartigen Erkrankung betroffen waren oder sind, vom Gesundheitsamt Wolfenbüttel zu ihrer Wohn- und Arbeitsstättenhistorie befragt. Das EKN hatte 35 hämatologische Krebsneuerkrankungen und 12 neu diagnostizierte Schilddrüsenkarzinome für den Zeitraum 2002 bis 2009 in der Samtgemeinde Asse registriert. Der Aufruf über die Bevölkerung war notwendig, da die Regelungen des Krebsregistergesetzes (GEKN) vom 16.11.1999 für die Tumorerkrankungen, die ausschließlich aus Instituten für Pathologie gemeldet wurden, eine Deanonymisierung der Personendaten nicht zuließ. Auch waren diese Erkrankungsfälle innerhalb der Samtgemeinde Asse nicht kleinräumig dem tatsächlichen Wohnort zuzuordnen. Aufgrund der Rückmeldungen konnten nur 8 Personen, die eine hämatologische Krebserkrankung hatten, und 6 Personen, die an einem Schilddrüsenkarzinom erkrankt waren, ausführlicher befragt werden. Dies ist eine deutliche Untererfassung, was die Aussagekraft der Befragung stark einschränkt.

 

Diese Erfahrungen sind in die Änderungen der Neufassung des GEKN vom 07.12.2012 eingeflossen, so dass zukünftig die Möglichkeiten des EKN zur Aufklärung derartiger beobachteter Krebshäufungen deutlich besser sein werden.

 

Klären konnte das EKN, dass kein Zusammenhang zwischen den in der Samtgemeinde Asse beobachteten Krebshäufungen und einer Beschäftigung bei der Schachtanlage Asse II anzunehmen ist. Dafür wurde ein Abgleich zwischen den dem EKN bekannten Betroffenen und den etwa 800 zwischen 1967 bis 2008 in der Schachtanlage Asse II Beschäftigten durchgeführt. Hierbei konnte nachgewiesen werden, dass nur einer der 47 Erkrankten aus der Samtgemeinde Asse in der Schachtanlage Asse II beschäftigt war.

 

Unbefriedigend bleibt, dass der Asse-Expertenkreis keine deutlichen Hinweise für die Ursache der Krebshäufung in der Samtgemeinde Asse finden konnte.

 

Den Abschlussbericht des Expertenkreises Asse vom Dezember 2012 finden Sie hier

 

 

Stellungnahme der Strahlenschutzkommission zur Krebshäufigkeit in der Samtgemeinde Asse

 

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit hat im Dezember 2010 die Strahlenschutzkommission (SSK) beauftragt, die epidemiologischen Untersuchungen des EKN vom Dezember 2010 im Kontext mit den strahlenbiologischen Erkenntnissen zu den strahleninduzierten Risiken für Leukämie und Schilddrüsenkrebs kritisch zu bewerten. Die SSK ist darüber hinaus der Frage nachgegangen, ob die vom EKN festgestellten lokalen Erhöhungen der Leukämie-Inzidenz bei Männern und der Schilddrüsenkrebs-Inzidenz bei Frauen als statistischer Zufall anzusehen sind. Zur Problematik der möglichen Verursachung der erhöhten Inzidenzen durch ionisierende Strahlung hat die SSK die Strahlenexposition der Bevölkerung in der Samtgemeinde Asse als Folge der Ableitungen radioaktiver Stoffe aus der Schachtanlage Asse II sowie die Strahlenexposition der Beschäftigten in der Schachtanlage Asse II betrachtet. Durch Vergleich dieser Strahlenexposition mit Strahlendosen, die erforderlich wären, um die beobachteten erhöhten Inzidenzen zu erklären, gelangte die SSK zu ihrer abschließenden Schlussfolgerung und Bewertung, die im Bericht im Februar/März 2013 veröffentlicht wurde.

 

Die Stellungnahme der Strahlenschutzkommission mit wissenschaftlicher Begründung vom Februar/März 2013 finden Sie hier.


Zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 31. Mai 2018
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