Monitoring-Pilotphase

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Seit 2014 wird im Epidemiologischen Krebsregister Niedersachsen (EKN) in einer Pilotphase die Einrichtung eines regionalen Krebsmonitorings erprobt. Für die Pilotphase wurden die Diagnosen Mesotheliom (ICD-10 C45), Nierenzellkarzinom (C64) und Akute myeloische Leukämie (C92.0) ausgewählt (ohne Geschlechtsdifferenzierung).

 

Das Konzept sieht einen zweistufigen Ablauf vor. In einer vorgeschalteten ‚Suchphase‘ werden Regionen identifiziert, die anschließend in einer prospektiven ‚Beobachtungsphase‘ weiterbeobachtet werden. Überschreiten die beobachteten Regionen bestimmte Grenzwerte, werden die kommunalen Gesundheitsbehörden des betroffenen Landkreises informiert. Bei Unterschreitung der Grenzwerte werden die jeweiligen Regionen aus der Beobachtungsphase herausgenommen, für alle anderen erfolgt eine Weiterbeobachtung. Inzwischen liegen erste Ergebnisse für die Beobachtungsphasen 2013 sowie 2013-2014 vor.

 

Das Krebsmonitoring erfolgt auf der Ebene von (Samt-) Gemeinden wobei Gemeinden unter 5.000 Einwohnern mit Nachbargemeinden zu sogenannten ‚regionalen Beobachtungseinheiten (ReBe)‘ zusammengefasst werden. Niedersachsen ist unterteilt in 388 ReBe (Stand 2013, mittlere Bevölkerungsgröße: 20.387 Einwohner, min: 5.194, max: 522.680).

 

Die Suchphase umfasst die Diagnosejahre 2008-2012. Statistische Kenngröße ist das Standardized Incidence Ratio (SIR). Regionen, für die das 95%-Konfidenzintervall des SIR (einseitig getestet) auffällig ist, gehen in die Beobachtungsphase ein. Die erste Beobachtungsphase fand im Januar 2015 statt anhand des Diagnosejahres 2013, die zweite Beobachtungsphase im Januar 2016 anhand der Diagnosejahre 2013-2014. Die Berechnung des Erwartungswerts findet auf Basis der Inzidenz von Niedersachsen während der Suchphase statt. Die Entscheidung, ob unter den für die Pilotphase festgelegten Testkriterien für eine Region der Verdacht auf eine Erhöhung bestätigt oder dieser zu verwerfen ist, erfolgt anhand des Sequential Probability Ratio Tests (SPRT). Liegt die ReBe innerhalb des Toleranzbereichs, verbleibt sie in der Beobachtungsphase. Bevor eine bestätigte Krebserhöhung zu einer Region öffentlich gemacht wird, erfolgt eine Einzelfallvalidierung im EKN.

 

Ergebnisse
Aus der Suchphase 2008-2012 gingen 54 ReBe in die Beobachtungsphase ein (ICD-10 C45: n=28, C64: n=17, C92.0: n=9). Die Ergebnisse der Beobachtungsphase 2013 sehen wie folgt aus: ein verworfener Verdacht, ein bestätigter Verdacht auf Erhöhung (Mesotheliom), 52 Weiterbeobachtungen. Die Weiterbeobachtung der verbleibenen 52 ReBe über den 2-Jahres-Beobachtungszeitraum 2013-2014 zeigte sechs Unterschreitungen der Grenzwerte und einen weiteren bestätigten Verdacht (Mesotheliom). In beiden Regionen mit bestätigtem Verdacht wurden die Gesundheitsämter informiert, dass eine regional auffällige Erhöhung von Mesotheliomerkrankungen vorliegt. Anhand von Daten des gewerbewerbeärztlichen Dienstes konnte bestätigt werden, dass für einen hohen Anteil der Mesotheliomerkrankten eine bekannte Asbestexposition vorlag.

 

Die Ergebnisse der Pilotphase zeigen, dass mit dem Monitoring regionale Häufungen aktiv aufgedeckt werden können. Bei Erkrankungen wie dem Mesotheliom, wo eindeutig eine Noxe für die Erkrankung verantwortlich gemacht werden kann, war es möglich, auch einen eindeutigen Hinweis auf die Ursache mitzuliefern. Anhand von Krebsregisterdaten sind ursächliche Zusammenhänge jedoch eher selten herzustellen. Aufklärung bleibt vor allem dort schwierig, wo kein eindeutiger Verursacher bekannt ist. Methodisch könnte sich die große Anzahl von ReBe, die für einen zurzeit noch unbegrenzten Zeitraum weiter zu beobachten sind, als problematisch erweisen. Hier wird diskutiert, die Kriterien für eine Beendigung der Beobachtungsphase anzupassen.

 

Die Ergebnisse wurden im September 2016 auf der 11. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi) in München in einem Vortrag vorgestellt.


Zuletzt aktualisiert: Montag, 28. Mai 2018
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