Überlebenszeitanalysen

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  • Maligne Mesotheliome: Inzidenz, Mortalität und Überleben in Niedersachsen

  • Bevölkerungsbezogene Überlebensraten und Stadienverteilung von Prostatakrebs in der PSA-Ära: Ein Vergleich zwischen Deutschland und den USA

  • Auswirkung des gewählten Diagnosedatums auf die Überlebensraten am Beispiel 'akute Myeloische Leukämie mit vorausgegangenem Myelodysplastischem Syndrom'

  • Untersuchungen zum Einfluss des Faktors Krebsnachsorge auf das Überleben von Brustkrebspatientinnen
  • Vergleich der Überlebensraten von Brustkrebspatientinnen mit und ohne organisiertem Nachsorgeprogramm
  • Überlebenszeitanalysen von Brustkrebspatientinnen im Bezirk Weser-Ems

     

    Maligne Mesotheliome: Inzidenz, Mortalität und Überleben in Niedersachsen

     

    Hintergrund

    Maligne Mesotheliome zählen zu den seltenen Krebserkrankungen und haben eine sehr schlechte Prognose. Als Hauptrisikofaktor gilt seit mehr als 50 Jahren eine Asbestexposition als gesichert. Die durchschnittliche Latenzzeit von Mesotheliomen nach Exposition gegenüber Asbest beträgt 30-40 Jahre. Obwohl die Asbestverarbeitung in vielen Industrieländern inzwischen verboten ist, wird erwartet, dass die Inzidenz weltweit weiter steigt. Die Herstellung und Verwendung von Asbestfasern und deren Produkte sind seit 1993 in Deutschland verboten; seit 1990 steigen jedoch die absoluten Neuerkrankungsfallzahlen für Mesotheliome, was in erster Linie auf die lange Latenzzeit zurückzuführen ist. Diese Zahlen werden voraussichtlich zwischen 2015-2030 zurückgehen. Seit 1977 sind Pleura- und Peritoneal-Mesotheliome offiziell als Berufskrankheiten anerkannt. In der vorliegenden Studie werden die Inzidenz- und Mortalitätstrends und das relative Überleben (RS) für Patientinnen und Patienten mit Mesotheliom in Niedersachsen untersucht.

     

    Methodik

    Alle Patientinnen und Patienten (inklusive Death Certificate Only Cases: DCO-Fälle sind dem Register ausschließlich über eine vorliegende Todesbescheinigung bekannt), die zwischen 2003 und 2012 mit malignem Mesotheliom (ICD-10 C45, i.e. ICD-O-3 alle Lokalisationen mit den Morphologiekodes M9050/3-M9053/3) diagnostiziert und an das EKN gemeldet wurden, gingen in die Inzidenz- und Mortalitätsauswertung ein. Die Inzidenz- und Mortalitätsraten sind altersstandardisiert nach Europa-Standard. Für die Berechnung des relativen Überlebens wurden Patientinnen und Patienten zwischen 15 und 99 Jahren eingeschlossen. DCO-Fälle wurden ausgeschlossen. Es wurden relative 5-Jahres Überlebensraten berechnet für alle Mesotheliome zusammengefasst, nach Ge­schlecht, nach Morphologie-Subtypen (fibröses Mesotheliom: 9051/3, epitheloides Mesotheliom: 9052/3, biphasisches Mesotheliom: 9053/3, Mesotheliom Not Otherwise Specified - NOS: 9050/3), Tumorgröße (T1, T2, T3, T4, T unbekannt) und nach den häufigsten Lokalisationen (Pleura: C38, Retroperitoneum und Peritoneum: C48). Das erwartete Überleben wurde mittels Ederer II Methode berechnet.

     

    Ergebnisse

    Zwischen 2003-2012 wurden 1.550 Männer und 331 Frauen in Niedersachsen mit malignem Mesotheliom registriert, 1.265 Männer und 277 Frauen starben an einem Mesotheliom in dieser Zeit. Das mediane Erkrankungsalter beträgt 71 Jahre für beide Geschlechter.

    Die Inzidenzrate 2003-2012 liegt mit 2,8 je 100.000 Einwohner für Männer sechsmal höher als für Frauen mit 0,5/100.000. Die Mortalitätsrate ist für Männer ebenfalls höher als für Frauen (2,4 vs. 0,4/100.000, siehe Abbildung 1).

    Abbildung 1: Inzidenz- und Mortalitätsverlauf 2003-2012 für maligne Mesotheliome (ICD-10 C45) nach Geschlecht in Niedersachsen

    Abbildung 1: Inzidenz- und Mortalitätsverlauf 2003-2012 für maligne Mesotheliome (ICD-10 C45) nach Geschlecht in Niedersachsen

    Die Inzidenzraten für Männer in den einzelnen Landkreisen in Niedersachsen bewegen sich zwischen 0,7 und 10,3 (Abbildung 2).

    Abbildung 2: Vergleich der Inzidenz für Männer mit malignen Mesotheliomen der Diagnosejahre 2003-2012 in Landkreisen und kreisfreien Städten Niedersachsens

    Abbildung 2: Vergleich der Inzidenz für Männer mit malignen Mesotheliomen der Diagnosejahre 2003-2012 in Landkreisen und kreisfreien Städten Niedersachsens

    Tabelle 1 zeigt, dass das relative 5-Jahres-Überleben für Männer und Frauen und für alle Mesotheliome zusammengefasst sowie für alle Untergruppen sehr ungünstig ausfällt. Für Frauen liegt die 5-Jahres-Überlebensrate etwas höher als für Männer. Wie erwartet, haben Erkrankte mit kleinen Tumoren (T1-T2) eine bessere Prognose als diejenigen mit größeren T-Stadien (T3-T4). Epitheloide Mesotheliome weisen ein besseres Überleben auf als die fibrösen, biphasischen oder sonstigen Mesotheliome. Für Patientinnen und Patienten mit einem Mesotheliom des Retroperitoneums und Peritoneums zeigen sich höhere Überlebensraten als für Pleura-Mesotheliom-Patienten.

    Tabelle 1: 5-Jahres-Überlebensraten für maligne Mesotheliome (MM) nach Geschlecht, Tumorgröße, Morphologie und Lokalisation in Niedersachsen, Diagnosejahre 2003-2012 (ohne DCO-Fälle)

    Tabelle 1: 5-Jahres-Überlebensraten für maligne Mesotheliome (MM) nach Geschlecht, Tumorgröße, Morphologie und Lokalisation in Niedersachsen, Diagnosejahre 2003-2012 (ohne DCO-Fälle)


    Diskussion

    Obwohl die Asbestproduktion und -verarbeitung seit langem verboten und die altersstandardisierte Inzidenzrate bei Männern in Niedersachsen leicht rückläufig ist, ist die Inzidenzrate der Frauen über die Zeit relativ konstant geblieben. Bei der Interpretation ist zu berücksichtigen, dass maligen Mesotheliome mit 30-40 Jahren eine lange Latenzzeit aufweisen. .

    Die beobachteten hohen Inzidenzraten für Mesotheliome in Landkreisen und Städten mit Häfen oder Stahlproduktionsbetrieben und in Landkreisen, die an Bremen (mit großem Hafen) angrenzen, lassen einen Zusammenhang mit beruflicher Asbestexposition im Schiffbau oder der Stahlindustrie vermuten.

    Diese Auswertungen wurden als Poster auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi) im Oktober 2015 in Potsdam vorgestellt.

     

     

    Bevölkerungsbezogene Überlebensraten und Stadienverteilung von Prostatakrebs in der PSA-Ära: Ein Vergleich zwischen Deutschland und den USA

     

    Hintergrund

    Die Inzidenzraten von Prostatakrebs sind in vielen westlichen Ländern aufgrund der Prostatakrebs-Früherkennungsuntersuchung (Blutuntersuchung auf prostataspezifisches Antigen, PSA-Test) dramatisch gestiegen. Die Inzidenz liegt am höchsten in den USA, wo die Inanspruchnahme des PSA-Tests seit 1986 weit verbreitet ist. Auch in Deutschland nimmt die Inanspruchnahme dieser Untersuchung seit den 1990er Jahren zu. Das hat zur Folge, dass die Inzidenz des Prostatakarzinoms bis 2007 angestiegen ist. Der Rückgang der Mortalität des Prostatakarzinoms wurde schon in Europa und in den USA beobachtet, aber der Anteil des Rückgangs, der auf den PSA-Test zurückzuführen ist, wird kontrovers diskutiert. Das EKN hat in Kooperation mit der Gesellschaft epidemiologischer Krebsregister in Deutschland (GEKID) und dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg aktuelle Langzeitdaten zum relativen Überleben (RS) und zur Stadienverteilung in Deutschland analysiert und mit Raten der USA verglichen, um Einflüsse des PSA-Tests zu untersuchen. Zusätzlich werden die Mortalitäts- und Inzidenz-Verläufe für Prostatakrebs in beiden Ländern dargestellt.

     

    Methoden

    Gepoolte Daten bevölkerungsbezogener Krebsregister aus zwölf deutschen Bundesländern mit einem Einzugsgebiet von ca. 27 Millionen Einwohnern wurden analysiert. Eingeschlossen wurden alle Patienten von 15-99 Jahren, bei denen im Zeitraum 1997-2010 Prostatakrebs diagnostiziert wurde, mit einem Mortalitäts-Follow-up bis Dezember 2010. Patienten, für die ausschließlich eine Todesbescheinigung im Register vorliegt, sogenannte Death Certificate Only (DCO)-Fälle, gingen nicht mit in die Analyse ein. Die Daten zur Inzidenz und Mortalität sind die im Zentrum für Krebsregisterdaten im Robert Koch-Institut zusammengefassten Daten aller deutschen Landeskrebsregister. Daten für die USA mit den gleichen Einschlusskriterien wurden aus der Surveillance, Epidemiology and End Results (SEER 13)-Datenbank extrahiert. Mittels Periodenanalysen wurden altersadjustierte relative 5- und 10-Jahres-Überlebensraten für die Periode 2002-2010 nach Tumorstadien (Lokal: T1/2 N0 M0; regional: jedes T, jedes N + M0; fern: jedes T, jedes N, M+) und nach Altersklassen berechnet. Unter Nutzung der Ederer II Methode wurde das erwartete Überleben ermittelt. Zweiseitige Signifikanztests mit einem Signifikanzniveau von 5% kamen zur Anwendung. Alle Berechnungen sind vom DKFZ mit SAS (Version 9.2 und speziellen Makros) durchgeführt worden.

     

    Ergebnisse

    Insgesamt wurden Daten von 214.741 Prostatakrebs- Patienten in Deutschland und 397.171 in den USA nach Ausschluss von DCO-Fällen (Deutschland: 5,4%, USA: 0,78%) ausgewertet. Das Medianalter bei der Diagnosestellung betrug in beiden Ländern 67 Jahre. Die Ergebnisse zeigen, dass die 10-Jahres-Prognose für Patienten mit Prostatakrebs nach Diagnosestellung in beiden Ländern sehr günstig ist (Tabelle 1).

     

     Tabelle 1: Vergleich der relativen 5-und 10-Jahres-Überlebensraten von Prostatakrebs nach Tumorstadien zwischen Deutschland und den USA

    Tabelle 1: Vergleich der relativen 5-und 10-Jahres-Überlebensraten von Prostatakrebs nach Tumorstadien zwischen Deutschland und den USA

     

    Auch weisen Patienten mit lokalem Stadium in Deutschland und in den USA und Männer in der Altersklasse 65-84 Jahre in den USA keine höhere Sterblichkeit im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung auf (Abbildung 1).

     

    Abbildung 1: Vergleich der relativen 5-Jahres-Überlebensraten von Prostatakrebs-Patienten nach Altersklassen zwischen Deutschland und den USA, Diagnosejahre 2002-2010 

    Abbildung 1: Vergleich der relativen 5-Jahres-Überlebensraten von Prostatakrebs-Patienten nach Altersklassen zwischen Deutschland und den USA, Diagnosejahre 2002-2010

     

    In Deutschland zeigte sich - wie früher in den USA nach Einführung der PSA-Testung - eine Verschiebung zu lokalisierten Stadien (Tabelle 2) und ein verbessertes 5-Jahres-Überleben.

     

    Tabelle 2: Entwicklung der Tumorstadienverteilung von Prostatakrebs in Deutschland und den USA, 1998-2010 

    Tabelle 2: Entwicklung der Tumorstadienverteilung von Prostatakrebs in Deutschland und USA, 1998-2010

     

    Der zeitliche Verlauf der Mortalität zeigte einen leichten Rückgang in beiden Ländern. Während die Inzidenz in den USA über die Beobachtungszeit sank, nahm sie in Deutschland bis 2007 kontinuierlich zu (Abbildung 2).

     

     Abbildung 2: Zeitlicher Verlauf der Mortalität und Inzidenz von Prostatakrebs in Deutschland und den USA, 1997 bis 2010

    Abbildung 2: Zeitlicher Verlauf der Mortalität (M) und Inzidenz (I) von Prostatakrebs in Deutschland und den USA, 1997-2010

     

    Diskussion

    Die Gründe der gezeigten Ergebnisse genau zu erklären, ist schwierig, ohne über detaillierte Angaben zur Früherkennung, zur Diagnostik und zur Behandlung zu verfügen. Eine vorgezogene Diagnosestellung und Überdiagnose durch das Screening erklären wahrscheinlich größtenteils die Unterschiede im 5- und 10-Jahres-Überleben insbesondere nach Stadien in beiden Ländern. Die Auswertungen wurden als Poster auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi) im September 2014 in Ulm vorgestellt.

     

    Auswirkung des gewählten Diagnosedatums auf die Überlebensraten am Beispiel 'akute Myeloische Leukämie mit vorausgegangenem Myelodysplastischem Syndrom'


    Es gibt Systemerkrankungen, bei denen im Verlauf Veränderungen auftreten, die nicht als Zweitkarzinom aufzufassen sind, sondern zu einer einzigen Diagnose gehören. Bei diesen Erkrankungen wird in der Regel als Diagnosedatum das Datum der ersten invasiven ­Meldung gewählt. Der Diagnose 'akute Myeloische Leukä­mie mit vorausgegangenem Myelodysplastischem Syndrom' (ICD-O-3 M-9895/3) geht definitionsgemäß eine MDS voraus. Mit Einführung der ICD-O-3 gilt diese Diagnose mit ICD-10 C92.0 als bösartige Erkrankung. Daher wäre es konsequent, das Diagnosedatum der MDS für die Registrierung zu nutzen. Bei einer Betrachtung der Überlebenszeiten der AML würde dies vermutlich zu einer Verlängerung des beobachteten Gesamtüberlebens führen. Die vorliegende Auswertung vergleicht die Überlebensraten unter Verwendung der Diagnosedaten der AML bzw. der MDS.

     

    Methode

    Die Analyse basiert auf 139 PatientInnen (ICD-10 C92.0, ICD-O-3 M-9895/3) aus einem Gesamtkollektiv von 476 PatientInnen, die zwischen 1993 und 2011 im EKN regis­triert wurden, bei denen sowohl für das MDS als auch die AML Diagnosedaten vorliegen. Das beobachtete Überleben wurde mittels Kaplan-Meier-Schätzfunktion (KM) mit dem R-Softwareprogramm berechnet (passives Follow-up bis 12.2010).

     

    Ergebnisse

    66% der untersuchten Fälle betrafen Männer und 34% Frauen. Männer waren durchschnittlich älter als Frauen sowohl bei der AML-Diagnosestellung (68,6 Jahre vs. 67,8 Jahre) als auch bei der MDS-Diagnosestellung (66,8 Jahre vs. 66,0 Jahre). Die durchschnittliche Zeitdifferenz zwischen einer MDS-Diagnose und einer AML-Diagnose betrug 39,7 Monate und die Medianzeit war 30 Monate. Bis zum Ende des Beobachtungszeitraums starben insgesamt 106 PatientInnen der AML-Gruppe. Die MDS-Gruppe wies eine längere Überlebenszeit auf mit insgesamt 115 Sterbefällen. Die mediane Überlebenszeit betrug für die AML 6 Monate und für die MDS ca. 29 Monate (vgl. Abbildung 1).

     

    Abbildung 1: Die Verläufe der Überlebensraten für MDS und AML in Monaten nach Diagnosedatum (*Log-Rang-Test)

    Abbildung 1: Die Verläufe der Überlebensraten für MDS und AML in Monaten nach Diagnosedatum (*Log-Rang-Test)

     

    Schlussfolgerung

    Da das mediane Überleben für die MDS deutlich länger ist, würde eine Festlegung auf das Diagnosedatum der MDS für die Diagnose der akuten Myeloischen Leukämie mit vorausgegangenem Myelodysplastischem Syndrom zu einer Verlängerung der beobachteten Überlebenszeiten der AML führen. Es ist zu diskutieren, welches Diagnosedatum für die Registrierung in epidemiologischen Krebsregistern und bei der Überlebenszeitanalyse für AML-PatientInnen mit der Morphologie M9895/3 verwendet werden sollte. Vorgeschlagen wird, beide Diagnosedaten zu dokumentieren, um je nach Fragestellung differenzierte Auswertungen durchführen zu können.

    Diese Auswertung wurde auf der Informationstagung Tumordokumentation der klinischen und epidemiologischen Krebsregister 2013 in Lübeck vorgestellt.

     

    Untersuchungen zum Einfluss des Faktors Krebsnachsorge auf das Überleben von Brustkrebspatientinnen mit Hilfe eines multivariaten Regressionsmodells


    In Niedersachsen organisieren und dokumentieren sechs Nachsorgeleitstellen (NLST), getragen von der Kassenärztlichen Vereinigung, die Krebsnachsorge. Sie dokumentieren und begleiten die ärztliche Tätigkeit und Langzeitbetreuung vor Ort durch verbesserte Information, unterstützen qualitätssichernde Maßnahmen in der vertragsärztlichen Versorgung und schaffen eine Datenbasis zur Beschreibung und Analyse des onkologischen Versorgungsgeschehens. Falls die von den NLST an das EKN gemeldeten Nachsorge-Patientinnen (NSP) besser versorgt werden als andere Patientinnen, sollte sich dies in der Ergebnisqualität (der Überlebensraten) zeigen. Ein univariater Vergleich der relativen 5-Jahres-Überlebensraten für den Bezirk Weser-Ems im Diagnosezeitraum 2001 - 2006 zeigte günstigere Werte für die NSP im Vergleich zu den Nicht-Nachsorgeleitstellen-Patientinnen (Nicht-NSP) (siehe unten). Ein Cox-Regressionsmodell unter Nutzung einer erweiterten Datengrundlage (2001 - 2007) sollte nun diesen positiven NSP-Effekt überprüfen.

    Bevölkerungsbezogen für ganz Niedersachsen wurden sämtliche vom EKN erfassten Brustkrebsneuerkrankungen (ICD-10 C50) bei Frauen im Diagnosezeitraum 2001 - 2007, die bis 2008 beobachtet wurden, dahingehend unterschieden, ob sie über die NLST gemeldet wurden oder nicht (NSP vs. Nicht-NSP). Die Verzerrung der prognostischen Aussage der Krebsnachsorge, z. B. durch Unterschiede im Alter, im Stadium (einschließlich Datenqualität) oder im Wohnort, wurden in dem Cox-Regressions-Modell (CRM) kontrolliert. Die Modellierung erfolgt mit Hilfe des Statistikpakets R.

    Nicht-NSP (n=14.584) vs. NSP (n=24.224) waren zum Diagnosezeitpunkt durchschnittlich älter (64,5 vs. 60,7 Jahre) und hatten einen höheren Anteil an verstorbenen Patientinnen (23,8% vs. 13,4%). Aufgrund fehlender Angaben zum Metastasenstatus, zur Tumorgröße oder zum Lymphknotenstatus konnten bei Nicht-NSP nur für 19,2% (vs. 92,4% bei NSP) ein UICC-Stadium gebildet werden. Das Ergebnis des Cox-Modells zeigte ein signifikant günstigeres relatives Risiko der Sterblichkeit von 0,79 für die NSP im Vergleich zu den Nicht-NSP. Interaktionsmodelle zwischen dem Nachsorgefaktor, dem Alter und dem UICC-Stadium zeigten keine signifikanten Unterschiede in den relativen Sterberisiken.

    Der Nachsorgefaktor hat auch in dieser multiplen Regressionsanalyse einen positiven Einfluss auf das Überleben gezeigt. Allerdings könnten fehlende Angaben zu anderen prognostischen Faktoren wie Komorbidität, Östrogenrezeptor-Status etc., die Einfluss auf das Überleben haben, Verzerrungsquellen darstellen. Somit sind diese Ergebnisse zurückhaltend zu interpretieren. Es ist vorgesehen, weitere klinische Informationen von den Nachsorgeleitstellen in die Analyse einzubeziehen.

    Die Auswertung wurde auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi) im September 2011 in Mainz vorgestellt.

     

    Vergleich der Überlebensraten von Brustkrebspatientinnen mit und ohne organisiertem Nachsorgeprogramm in Niedersachsen


    Für eine Qualitätssicherung in der Versorgung spielt die Analyse von Überlebenszeiten bei Krebspatienten eine große Rolle. Für entsprechende Auswertungen zum Brustkrebs liegen im Krebsregister für den Bezirk Weser-Ems nunmehr die notwendigen Daten in ausreichender Vollzähligkeit vor. Das EKN hat für den Bezirk Weser-Ems untersucht, ob es für Brustkrebspatientinnen Unterschiede in den Überlebensraten gibt, in Abhängigkeit davon, ob sie von Nachsorgeleitstellen (NLST) betreut wurden oder nicht.

    In Niedersachsen spielen die Nachsorgeleitstellen (NLST), getragen von der Kassenärztlichen Vereinigung, eine wichtige Rolle in der Krebsnachsorge. Sie dokumentieren und unterstützen qualitätssichernde Maßnahmen in der onkologischen Versorgung der Patientinnen und Patienten und begleiten die ärztliche Tätigkeit und Langzeitbetreuung vor Ort durch verbesserte Informationen. Die NLST melden die Neuerkrankungsfälle an das EKN. Falls die von der NLST an das EKN gemeldeten Nachsorge-Patientinnen (NSP) besser versorgt werden als andere Patientinnen, sollte sich dies in der Ergebnisqualität, hier der relativen Überlebensrate, zeigen.

    Für den Bezirk Weser-Ems wurden sämtliche vom EKN erfassten Brustkrebsneuerkrankungen (ICD-10 C50) bei Frauen im Diagnosezeitraum 2001 – 2006 dahingehend unterschieden, ob sie über die NLST an das EKN gemeldet worden sind oder nicht (NSP vs. Nicht-NSP). Verglichen wurden die relativen Überlebensraten zwischen beiden Gruppen. Beim Vergleich der relativen Überlebensrate wiesen die in der organisierten Nachsorge betreuten Patientinnen bessere relative Überlebensraten auf als die Nicht-Nachsorge-Patientinnen, wie die Abbildung zeigt. Neben einem möglicherweise positiven Effekt durch die Nachsorge sind aber auch Selektionsfehler wie z. B. Unterschiede in der Altersstruktur, in der Tumorstadien-Verteilung und in der Datenqualität sowie andere Confounder als Einflussfaktoren zu diskutieren.

     

     Abbildung: Relative Überlebensraten für Brustkrebs bei Nachsorge-Patientinnen (NSP) und Nicht-Nachsorge-Patientinnen (Nicht-NSP), Diagnosejahre 2001 - 2006

    Abbildung: Relative Überlebensraten für Brustkrebs bei Nachsorge-Patientinnen (NSP) und Nicht-Nachsorge-Patientinnen (Nicht-NSP), Diagnosejahre 2001 - 2006

     

    Die Auswertungen wurden als Poster auf der 5. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie 2010 in Berlin vorgestellt.

     

    Überlebenszeitanalysen von Brustkrebspatientinnen im Bezirk Weser-Ems


    Im Rahmen der Qualitätssicherung der Versorgung kommt der Messung der Ergebnisqualität (z. B. Überleben von Krebspatienten) immer größere Bedeutung zu. In bestimmten Gebieten in Niedersachsen ist die Datenlage des EKN für einzelne Diagnosen bereits ausreichend, um erste Auswertungen zu absoluten und relativen Überlebensraten durchzuführen. Dieses gilt z. B. für Brustkrebs im Bezirk Weser-Ems. Entsprechend dem Stufenaufbau des EKN begann die flächendeckende Erfassung von Krebsneuerkrankungen hier im Jahr 2000. Seit 2001 liegt der Erfassungsgrad von Brustkrebsneuerkrankungen im Bezirk Weser-Ems bei über 95% der erwarteten Fälle.

    Für den Bezirk Weser-Ems wurden mit dem finnischen Softwareprogramm SURV-4 Überlebenszeitanalysen für 740 In-situ-Karzinome der Brust und 10.299 invasive Mammakarzinome durchgeführt, die in den Diagnosejahren 2001-2006 an das EKN gemeldet wurden. Von diesen verstarben bis Ende 2006 1.476 Frauen.

    Die relative 5-Jahres-Überlebensrate für invasiven Brustkrebs beträgt im Bezirk Weser-Ems 84% (Saarland: 81%, Bremen: 87%, Finnland: 89%). Frauen im Alter von 50 - 59 Jahren zeigen mit über 87% die höchste relative 5-Jahres-Überlebensrate.

    Die relativen 5-Jahres-Überlebensraten, differenziert nach UICC-Stadium (ohne unbekannte Stadien), sind in nachfolgender Abbildung dargestellt. Erwartungsgemäß ist die relative 5-Jahres-Überlebensrate bei Tumoren, die erst im Spätstadium entdeckt wurden (UICC-Stadium IV) mit ca. 26% sehr ungünstig (Tumorregister München: 25%).

     

     Relative Überlebensraten für Brustkrebs nach Tumorstadien

    Abbildung : Relative Überlebensraten für Brustkrebs nach Tumorstadien (ICD-10 C50, Diagnsoejahre 2001-2006, Bezirk Weser-Ems, UICC-Stadien)

     

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Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 25. Mai 2016
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